Dankbarkeit - kann etwas so Simples der Schlüssel zum Glück sein?

Aktualisiert: 3. Nov 2019

Manche Menschen scheinen leichter durchs Leben zu gehen als andere, beruflich ebenso wie privat. Sie nehmen Herausforderungen eher als Chancen wahr, weniger als Problem. Und: Sie wirken insgesamt glücklicher – sowie oftmals dankbarer. Ist Glück ein zufälliges Geschenk des Schicksals bzw. Charakters oder aber können wir alle daran teilhaben? Und: Welche Rolle spielt Dankbarkeit dafür? Wie können wir selbst glücklich und dankbar werden?


Welche Rolle spielt Dankbarkeit in Deinem Leben?

Jeder hat eine andere Auffassung von Glück und assoziiert andere Gefühle damit: Lebensfreude, Leidenschaft, Harmonie, Gesundheit – bis hin zu einem euphorischen Hochgefühl. Letztendlich meinen wir jedoch alle dasselbe: Wenn wir glücklich sind, sind wir absolut zufrieden. Angstfrei können wir den Ist-Zustand genießen, sind erfreut und dankbar zugleich. Glück ist der Zustand, das Gefühl, dass man mit sich und der Umwelt eins ist und alles Sinn zu ergeben scheint.


“Glückliche Mitarbeitende stehen oft für ein erfolgreicheres Unternehmen.”

Glück beeinflusst uns auf vielfältige Weise – und das nachhaltig. Es wirkt auf unsere Psyche und deren Weiterentwicklung ebenso wie auf unseren Körper. So haben etwa Forschungen gezeigt, dass glückliche Menschen produktiver sind, beispielsweise im Berufsleben. Und, dass das Glücksempfinden beeinflusst werden kann. Diese Erkenntnisse werden von Unternehmen genutzt, um das Glücksgefühl ihrer Mitarbeitenden zu erhöhen und von den Vorteilen wie erhöhter Produktivität zu profitieren. Glückliche Mitarbeitende bedeuten oft ein glücklicheres, da erfolgreicheres Unternehmen (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 6).


Glück beeinflusst unsere Gesundheit und Fitness.


Glück wirkt aber nicht nur auf unsere Gefühle und Gedanken: Das Glücksempfinden spiegelt sich auch im Körper. Das sieht man schon allein daran, dass Lob und Anerkennung ein Lächeln hervorrufen. Wer glücklich ist, dem ist die Glückseligkeit ins Gesicht geschrieben! Ebenso sieht man den Einfluss von Glück auf unseren Körper an diversen Redewendungen, etwa wenn Verliebte „Schmetterlinge im Bauch“ haben. Wir sehen den Zusammenhang aber auch im umgekehrten Fall. Hast Du schon einmal schlechte Nachrichten erhalten? Dann kennst Du sicher das Gefühl, dass uns die „auf den Magenschlagen“; wir fühlen uns traurig oder übel gelaunt. Wenn das Problem aber aus dem Weg geräumt wurde, fühlen wir uns befreit und erleichtert – die Magenbeschwerden sind vergessen. Hinter diesen Redewendungen, die Glück und Unglück mit unserem Körper verknüpfen, verbirgt sich eine ernstzunehmende Erkenntnis der Wissenschaft: Psyche und Körper hängen zusammen. Deshalb beeinflusst Glück auch unsere Gesundheit und Fitness (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 11).


Der Nutzen von positiven Emotionen entfaltet sich weit in die Zukunft: Sie verändern unsere Wahrnehmung neuer Reize aus der Umwelt und beeinflussen dadurch unser künftiges Handeln, es bildet sich also eine Spirale. Wenn Du beispielsweise spürst, dass Dich Deine Kolleg*innen oder Mitarbeitende achten, schüttet Dein Körper chemische Stoffe aus, die im Nervensystem wie eine Art „Glückscocktail“ wirken. In der Folge ändert sich Deine Wahrnehmung der Umwelt, plötzlich kommt Dir alles viel sympathischer vor. Daraufhin schüttet Dein Körper noch mehr Glückshormone aus, welche die Wahrnehmung neuer Reize weiter zum Positiven verändert (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 12). So erweitert Glück die Aufmerksamkeit und damit das Denkvermögen, es stärkt persönliche Ressourcen und entwickelt sie weiter. Positive Emotionen lassen uns Lösungen erkennen und neue Wege gehen (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 48).


Obendrein spiegelt sich Glück in unseren Tätigkeiten, denn es löst positive Handlungstendenzen aus. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Du Gutes tust. Auch dadurch ist Glück nicht nur etwas, das wir subjektiv empfinden, sondern auch etwas, das andere Menschen an uns wahrnehmen. Man sieht uns unsere Gesundheit, unser Lächeln an und bemerkt unsere positiven Taten. Wir führen engere soziale Kontakte und erfülltere Beziehungen. Selbst ein ‚Grantler‘ wird sich, wenn er glücklich ist, zumindest eine Spur weniger grantig verhalten. Die Lebensfreude und Leidenschaft, die glückliche Menschen ausstrahlen, bereichern unsere eigene Welt – und die lieben Dinge, die sie (für uns) tun, erst recht. Dass Gutes tun glücklich macht, bedeutet auch: Jeder kann glücklich sein, kann sich selbst glücklich machen. Nutze diese Chance und gehe einen neuen Weg, um Dein Glück in der Welt zu entdecken (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 51)!


Wir wissen nun, was Glück ist, was es mit uns macht und was es bewirkt. Bleibt die zentrale Frage: Wie werden wir glücklich? Was ist der Schlüssel zum Glück? Hier kommt die anerkannte Beobachtung ins Spiel, dass es für das Glücksempfinden wichtiger ist, wie man Dinge subjektiv sieht, als wie sie objektiv betrachtet sind. Glück misst sich vor allem daran, ob wir Situationen positiv wahrnehmen, und weniger daran, was diese Situationen genau sind. Glück ist das, was man selbst als Glück wahrnimmt. Deshalb können wir auch glücklich sein, wenn etwas schlecht läuft: indem wir es nämlich schaffen, der Sache etwas Positives abzugewinnen.


Wenn wir nun Dinge positiv wahrnehmen, dann schätzen wir sie – wir sind dankbar dafür. Und haben damit den Schlüssel zum Glück entdeckt: Dankbar zu sein, macht glücklich, lautet das einheitliche Echo der Positiven Psychologie. Dies versinnbildlicht das beliebte Beispiel des halbgefüllten Glases: Wir fragen uns nicht länger, ob besagtes Glas nun halb voll oder halb leer ist, sondern sind dankbar dafür, dass das Glas überhaupt ein Getränk enthält und wir so unseren Durst stillen können (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 52).


Dass Dankbarkeit glücklich macht, ist wissenschaftlich bewiesen. Hierzu gab es einen Versuch mit zwei Gruppen über zehn Wochen: Die Personen der ersten Gruppe sollten einmal pro Woche fünf Dinge oder Vorkommnisse aufschreiben, für die sie dankbar waren – die zweite Gruppe (Kontrollgruppe) sollte hingegen täglich fünf Dinge notieren. Das Experiment war einfach, das Ergebnis eindeutig: Es konnte nachgewiesen werden, dass die Menschen durch das explizite Ausdrücken ihrer Dankbarkeit optimistischer und zufriedener waren. Weiter konnte festgestellt werden, dass sie insgesamt gesünder lebten und wurden. Dieses Experiment zeigt eindeutig, dass Dankbarkeit das eigene Glücksempfinden und die Gesundheit direkt beeinflusst (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 52). Ebenso gilt andersherum: Glück führt zu Dankbarkeit – denn wenn man glücklich ist, ist es einfacher, dankbar zu sein.


Was ist aber in besonders schwierigen Zeiten, in Ausnahmesituationen, wenn man etwa einen schweren Verlust verkraften muss – wenn es undenkbar scheint, glücklich zu sein? Um dennoch Gutes zu sehen, kannst Du Dir folgende Fragen stellen (je nach Schwere der Situation mit etwas Abstand):

  • Wofür könntest Du in dieser Situation – trotz allem – dankbar sein?

  • Gibt es daran (tatsächlich!) etwas Gutes?

  • Welche neuen Möglichkeiten könnten dadurch entstehen?

  • Welcher Weg könnte frei werden?

Wenn wir diese Fragen beantworten, können wir die Situation aus einem neuen Blickwinkel betrachten und auf Dinge aufmerksam werden, die wir daran (neu) schätzen lernen (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 54). Nicht selten merken wir, dass es uns noch schlimmer hätte treffen können, sind dafür dankbar und stellen fest: „Da habe ich ja noch mal Glück gehabt!“


Wenn einem die Fragen jedoch nicht weiterhelfen und man absolut nicht weiter weiß, wenn der Schlüssel zum Glück verloren scheint, dann kann ein Coach ein wahrer Schatz sein. Er hilft, zu Klarheit zu kommen, den eigenen Horizont zu erweitern und letztendlich wieder glücklich sowie dankbar zu sein.


Mit Dankbarkeit ist es übrigens auch möglich, einen psychologischen Effekt zu lindern, der täglich Millionen Menschen auf dieser Welt um ihre Zufriedenheit bringt: die Gewöhnung an das Glück.


Denke bitte an eine Sache, die Dich mal sehr glücklich gemacht hat und die Du seitdem ständig benutzt. Ist es Dein Auto? Gut, dann erinnere Dich, wie es sich angefühlt hat, als Du das erste Mal in Deinem brandneuen Auto gefahren bist. Wie wunderbar war das? Kannst Du Dich noch daran erinnern, wie Du voller Freude am Steuer gesessen und in die Kurven gefahren bist? Jetzt erinnere Dich daran, wie Du das letzte Mal mit Deinem Auto gefahren bist. Bei mir war es (auf dem Weg zur Arbeit ;)) so: einsteigen, losfahren, ankommen, aussteigen.


Man gewöhnt sich an fast alles. Nicht nur Kleinigkeiten, auch große Träume, die uns einst so viel bedeutet und glücklich gemacht haben, verschwinden im Grundrauschen des Alltags. Daher ist es für Dein empfundenes Glück nach nur wenigen Wochen nicht mehr relevant, ob Du Dich mit einem feschen Sportauto oder einem drögen Kleinwagen durch die Rushhour quälst. Dieser traurige Gewöhnungsprozess nennt sich „hedonistische Anpassung“. Wenn die Wertschätzung und die Dankbarkeit gegenüber unseren Lebensumständen und Besitztümern nachlassen, setzt die Gewöhnung mit voller Kraft ein.


Diesen Prozess können wir jedoch zum Glück verlangsamen oder sogar ganz verhindern: indem wir für die betreffenden Dinge erneut dankbar werden. Indem wir uns immer aufs Neue bewusst machen, wie gut es uns geht. Oft machen uns erst Bekanntschaften wieder darauf aufmerksam, was wir zum Beispiel für eine schicke Uhr tragen. Eine Uhr, die uns beim Kauf super glücklich gemacht hat, uns jetzt aber nur noch sagt, dass die Mittagspause in fünf Minuten vorbei ist.


Wer gerade keine solche aufmerksamen Bekannten um sich hat, versucht folgende Übung, durch die man den Gewöhnungsprozess maßgeblich verlangsamen und den positiven Effekt der Dankbarkeit für sich nutzbar machen kann: Führe ein Dankbarkeitstagebuch und halte darin Dinge sowie Vorkommnisse fest, für die Du dankbar bist. Schreibe dabei nicht nur auf, dass Du Dich über „Alltägliches“ wie z. B. Dein Haus freust, sondern notiere auch Sachen, die Dir toll gelungen sind. Am effektivsten ist das Tagebuch, wenn Du es täglich führst, doch auch spontane Einträge können schon helfen. Wichtig ist nicht so sehr das explizite Danksagen, sondern, dass man die Dankbarkeit aufrichtig empfindet (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 56).


Fazit: Dankbare Menschen sind nachweislich glücklicher – wobei glückliche Menschen wiederum dankbarer sind. Dankbarkeit und Glück lösen also eine Kettenreaktion aus. Wenn Du dankbar bist, nimmst Du die positiven Dinge im Leben besser wahr, Stress oder andere negative Emotionen werden gelindert, soziale Beziehungen verbessert und die Gewöhnung an Positives wird verlangsamt (vgl. Johann, Möller, 2013, S. 58). Besonders, wenn man festzustecken scheint, kann ein Coach helfen, neue Zufriedenheit im Leben zu verspüren. Tiefempfundene Dankbarkeit ist der wahre Schlüssel zu Glück.


PS: Literaturempfehlung zu Glück und Chancen effizient nutzen findest Du hier: Glückskinder* von Hermann Scherer.


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Quelle: Johann, T; Möller, T. (2013). Positive Psychologie im Beruf. Freude an Leistung entwickeln, fördern und umsetzen. Wiesbaden: Springer Gabler Buch auf Amazon: https://amzn.to/2Wuep9l*

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