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Dicke Luft im Weihnachtsdschungel – wann reicht’s?

Mit Ärger angemessen umzugehen, ist eine Kunst. Die Zauberformel heißt nicht schweigen, sondern #Grenzen setzen – und wissen, wann man berechtigt Dampf ablassen darf. Hier zu eine kurze Geschichte: Flyn ist ein gutmütiger Mensch. Ja, wirklich. Humorvoll, unterstützend und fast immer gut gelaunt. Denn grundsätzlich ist sie der Meinung, dass es einem schlichtweg nichts bringt, sich zu ärgern, außer schlechte Stimmung, Bauchschmerzen und Kopfweh. Ruhe war ihr stets wichtiger als Kampf. Sie meidet die Auseinandersetzung wenn es nicht unbedingt sein muss, denn das kostet Zeit. Und die ist, gerade im Job, rar.


Trotzdem hat sich Flyn soeben fürchterlich geärgert: Als sie endlich aus dem Büro zum bereits lange geplanten Freundeswochenende hatte aufbrechen wollen, war auf ihrem Schreibtisch ein Karton voll Akten abgelegt worden – wortlos, nur mit einem Post-it: „Bitte bis Anfang nächster Woche“. Solche ‚Überfälle‘ häuften sich in letzter Zeit. Und immer landeten sie auf Flyns Schreibtisch. #Ärger – was ist das überhaupt? Es ist eine negative #Reaktion auf etwas Unangenehmes oder Unerwünschtes. Diese Reaktion geschieht spontan und in uns drin, wir lösen sie also nicht bewusst aus – und können sie deshalb schlecht vermeiden. Dabei kann Ärger verschieden intensiv ausfallen, je nachdem, was der Auslöser ist und wie wir dazu stehen. Mit die stärkste Form ist #Wut, die wir auch nach außen hin zeigen. Schwächere Emotionen, die man uns teils weniger ansieht, sind Unbehagen, Unmut, Missmut.

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit gibt es viele Gründe für Ärger ...

Das können Situationen, Sachen, andere Personen oder auch man selbst sein. Ärger kommt zum Beispiel auf, wenn andere #Menschen etwas tun, das uns gegen den Strich geht, z. B. der Aktenkiste-Absteller in Flyns Fall, oder wenn uns Missgeschicke passieren, z. B. eine Autopanne. Wenn in unserem Business oder Leben etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen. Ärger kann sich auch übertragen – das kennen die meisten sicherlich: Wenn eine übel gelaunte Person den Raum betritt, erhält die Stimmung einen Dämpfer und schlägt teils sogar ganz um, ob bewusst oder unbewusst.


Wie soll Flyn nun auf ihren Ärger reagieren: herunterschlucken, sich dagegen wehren, ihn an anderen auslassen? Und schon geht es los mit dem #Kopfkino ...


Soll sie sich den Forderungen ihrer Chefin fügen, indem sie ihr Freundeswochenende absagt? Nein, das kann es doch nicht sein, denkt sie sich. Das Wochenende hatten sie schon vor langer Zeit geplant und alle freuten sich darauf. Also ein Ventil schaffen, indem man bei anderen über die Person, die den Ärger ausgelöst hat, ablästert? Das hilft vielleicht kurzfristig ... Hm – aber ist es die Sache denn überhaupt wert? Dann lieber sich aktiv wehren, etwa indem man die Person, wenn nicht die Chefin dann eine andere, so richtig schön anfährt? Das verschafft vielleicht in dem Moment Befriedigung, allerdings … Man will sich ja das Leben nicht unnötig schwer machen. Also einfach gehen und auf den Karton pfeifen? So tun als hätte man ihn nicht gesehen? Eventuell am Montag ein bisschen früher kommen, um ein paar Akten abzuarbeiten? Nein – den Ärger herunterzuschlucken, verursacht eher Magenschmerzen, das weiß Flyn aus Erfahrung.

Der Ursprung von Ärger liegt im Gehirn.

Warum Wut Magenschmerzen auslösen kann, verstehen wir, wenn wir uns anschauen, was in unserem Körper bei Ärger passiert. Der Ursprung von Ärger liegt im Gehirn, genauer: im limbischen System. Das ist eine Funktionseinheit des Gehirns, die etwa für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Wenn uns jemand ‚querkommt‘, schlägt dieses System Alarm. Ein Stressprogramm wird hochgefahren und hormonelle Treibstoffe für Erregung werden ausgeschüttet – das Herz klopft schneller, der Puls wird unregelmäßig und der Blutdruck schnellt in die Höhe. Aus diesem Grund kann Ärger Magenschmerzen und Verdauungsprobleme, Schlafstörungen und Kopfweh verursachen.


Diese Symptome sind unschön, aber O. K., solange sie nur ab und zu auftreten. Gefährlich für die Gesundheit wird es jedoch, wenn der Ärger über Stunden anhält, sich vielleicht sogar in uns ‚festfrisst‘ und chronisch wird, oder uns eine gewisse Sache immer wieder auf 180 bringt. Das bedeutet: Wenn man sich sehr häufig ärgert und nicht dagegen wehrt, kostet es letztendlich Kraft, Zeit.


Warum zögern trotzdem viele, sich bei Ärger zur Wehr zu setzen? Oft, da sie sich keine ‚Feinde‘ schaffen wollen und ihnen ihre ‚Kontrahenten‘ leidtun. Doch es ist wichtig zu erkennen, dass es gar keine Kontrahenten gibt, solange man seinem Ärger auf konstruktive Weise Luft macht. In diesem Fall greift man nämlich niemanden an und will niemandem etwas Böses, sondern setzt berechtigte und überlegte Grenzen.

Nur: Wie geht man mit Ärger „konstruktiv“ um? Zur Beantwortung der Frage ergibt es Sinn, sich den Ärger an sich näher anzusehen. Er kann absolut konstruktiv sein, wenn er anstehende oder längst überfällige, positive (!) Veränderungen in Gang bringt. Wenn problemorientiertes Handeln die Folge ist, das – wichtig – von einem angemessenen Ausdruck begleitet wird. Wenn uns Ärger Energie gibt, Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder Aufgestautes freizugeben. Uns Mut macht, gegen Ungerechtigkeiten anzugehen, schiefe Beziehungen geradezurücken, zwischenmenschliche Kommunikation zu fördern. Wenn beispielsweise im Unternehmen andauernd Witze auf Kosten einer bestimmten Kolleg*in gemacht werden, dann ist Aufregung angebracht, Ärger berechtigt und verantwortliches Handeln gefragt.


Zentral bei Ärger ist erst einmal, überhaupt zu merken, dass man sich ärgert, und einzuschätzen, wie sehr man das tut. Manche Mitmenschen haben verlernt zu erkennen, wann genug (Ärger) genug ist, etwa, weil sie sich ständig ärgern – weil die Aufregung, siehe oben, chronisch geworden ist. Hier ist es wichtig, die eigenen Alarmsignale wieder wahrzunehmen und rechtzeitig zu handeln.


Ärger kratzt letztendlich an unserem Selbstwertgefühl. Das bedeutet im Umkehrschluss: Je selbstbewusster man ist, umso gelassener kann man damit umgehen. Was mich nun zur ‚Kunst‘ bringt, nicht alles so oder zu persönlich zu nehmen. Stattdessen sollte man, wenn einem Unrecht getan wird oder man es an anderen erfährt, STOPP sagen und Grenzen ziehen. Das bedeutet, dem Verursacher klar zu machen, dass er gerade eine persönliche Grenze überschritten hat – ob Beispiel durch Unachtsamkeit, durch unangemessenes, unfaires Verhalten oder auch, weil er jemandem, der das nicht wollte, körperlich zu nahegekommen ist.

Photo by Brooke Lark on Unsplash

Zentral bei Ärger durch zwischen-menschliche Beziehung ist etwas, das so einfach erscheint und doch so schwierig sein kann: Kommunikation. Denn oft ärgern wir uns völlig unbegründet über etwas, das komplett anders gemeint war. Mit ein Grund ist, dass wir in unserer hochvernetzten, komplexen und dauergestressten Zeit nicht mehr fähig sind, klar zu unterscheiden, wann es sich um eine persönliche Boshaftigkeit handelt – und wann um einen Sachverhalt, der sich auf sachlicher, konstruktiver Ebene lösen lässt.


Deshalb ist es wichtig, einfach mal nachzufragen, wie das Gegenüber seine Aussage oder Handlung gemeint hat. Und auch zu sagen, wie es bei einem selbst ankam. Was – wichtig – im Erwachsenen-Ich stattfinden sollte: auf Augenhöhe, respektvoll und niemals (wirklich NIEMALS) unter dem Niveau, selbst wenn man super verärgert ist!


Wenn wir dann herausfinden, dass wir den Stein des Anstoßes falsch verstanden haben: wunderbar – ein Grund für Ärger ist aus der Welt geschafft! Wenn es sich aber tatsächlich um eine persönliche Boshaftigkeit handelt, gilt ganz klar, ein Stoppsignal zu setzen. Hilfe holen oder sich an eine Vertrauensperson wenden. Mobbing ist eine ernste Sache und darf nicht geduldet werden. NIEMAND hat das Recht, jemand anderem das Leben zur Qual zu machen.


Ein probates Mittel gegen Ärger ist auch schlicht: Lächeln. Denn gute Laune und Humor verbreiten sich mindestens so schnell wie Ärger, wenn nicht noch schneller – mit dem Unterschied, dass man mit guter Laune die Welt um sich ein Stückchen besser macht. Und ist es nicht das Ziel von uns allen, in einer freundlichen, lebenswerten Umgebung zu leben?


Es gibt aber durchaus Momente, in denen man seinem Ärger freien Lauf lassen darf, in denen eine aufbrausendere Reaktion angemessen ist. Denn wenn man es auf Dauer übersieht, das Ventil von Ärger zu öffnen, wird sich die Emotion über kurz oder lang eigenständig einen Weg zum „Blitzableiten“ suchen. Entlädt das zusammengebraute Gewitter seine volle Energie, fällt es generell umso heftiger aus und trifft meist die falsche Person. Wichtig: Seinem Ärger Luft zu machen, bedeutet nicht (immer), lauthals loszubrüllen, sondern vielmehr auf Augenhöhe zu kommunizieren. Klar und bestimmt seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen und persönliche Grenzen zu ziehen.


Beispielsweise wenn man am Arbeitsplatz wiederholt vor versammelter Mannschaft zu Unrecht bloßgestellt oder lächerlich gemacht wurde. Oder wenn man dringend auf einen Rückruf des Vorgesetzten wartet und immer wieder von dessen Assistenten sehr unfreundlich abgewimmelt wird. Hier sollte man sich Respekt verschaffen, denn man hat das Recht auf einen fairen, freundlichen Umgang. Wie reagiert Flyn nun auf ihren Ärger? Sie erinnert sich plötzlich an ihren Vorsatz, den sie sich zu Beginn des Jahres selbst versprochen hat: weniger Büroarbeit – mehr Freizeit. Und sie erkennt, dass sie endlich handeln und Grenzen setzen muss. Dass eine angemessene, offene Reaktion auf Ärger kein „Kampf“ ist, sondern das Mittel, das ihr Ruhe und Zufriedenheit bescheren wird.


Wenn man sich ärgert, sollte man sich folgende Fragen stellen, um den Ärger richtig einzuschätzen – und davon ausgehend die angemessene Reaktion zu finden:

a) Ärgere ich mich immer wieder über dieses Thema?

b) Ist der Ärger die Sache wert?

c) Bringt mich der Ärger weiter, verändert er etwas?

d) Macht es, wenn ich mich jetzt ärgere, mein Leben in fünf Jahren besser?


Ist die Antwort auf diese Fragen „nein“, sollte man darüberstehen, einfach lächeln und schauen, wie man es ändern kann – und zwar jetzt sofort.


Wütend im richtigen Mass sein.

Wer sich nie über etwas aufregt, muss ein Narr sein, vermutete schon der griechische Philosoph Aristoteles vor mehr als 2.000 Jahren. Aber er wusste auch: „Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Mass, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.“

Fazit: Niemand anderes hat die Macht, darüber zu entscheiden, ob man sich ärgert (und wenn ja, wie lange) oder ob man das Thema lieber aus der Welt schafft und sich des Lebens erfreut. Das muss jeder für sich allein entscheiden. Man selbst ist der Chef*in in seinem Dschungelleben! Wenn man sich das nächste Mal ärgert, sollte man daran denken, dass das Motto #Schweigen ist Bronze, #Reden ist Gold“ das Leben durchaus erleichtern kann. Literaturquelle: Zehnder, I. (2018). Ärger: runterschlucken oder rauslassen? Schweiz, Teufen AR: Verlag A. Vogel AG. Online: https://www.avogel.ch/de/ihre-gesundheit/gesundheitsthemen/aerger.php [abgefragt am 13.12.2019]

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