Misserfolg undenkbar - Erfolg garantiert?

Aktualisiert: Jan 13

Manchmal ertappen wir uns bei dem Gedanken, ach, wie gerne würde ich dies und jenes tun. Doch dann melden sich plötzlich Zweifel zu Wort: Was ist, wenn ich scheitere? Was tue ich, wenn mein größter Alptraum wahr wird? Was, wenn ich mich bis auf die Knochen blamiere? Könnte ich einen Misserfolg verkraften? Im besten Fall erreichen wir irgendwann unsere persönliche „Schmerzgrenze“, an der wir unsere Zweifel nicht länger ertragen oder ertragen möchten, ein mögliches Scheitern in Kauf nehmen – und endlich unsere Entscheidung treffen. Und das ist gut so, denn nur so begeben wir uns auf unseren persönlichen Weg zum Glück.

Schau auf die Zeichen.

Unsere Gesellschaft wird immer leistungsorientierter und Erfolg spielt eine immer größere Rolle. Gleichzeitig steigt die Angst vor Misserfolgen – Scheitern wird undenkbar. Das geht so weit, dass sich manch einer lieber gar nicht erst entscheidet, um ja nicht zu scheitern. Doch mit der Angst vor dem Misserfolg nimmt man sich die Chance auf Erfolg oder alternativ darauf, an einem (erfolgreich) durchlebten Misserfolg zu wachsen.


Misserfolg – was ist das überhaupt?


Es bedeutet, dass man ein selbst oder von anderen gestecktes Ziel nicht erreicht hat. Und es kratzt meist am Selbstwert, zumindest dann, wenn uns das Erreichen des Ziels persönlich wichtig war.

Wenn wir scheitern, erhält unser Stolz einen Knick. Wir haben den Eindruck, in der Gesellschaft das Gesicht zu verlieren, fühlen uns geschwächt, wie ein Häufchen Elend und dadurch demotiviert, mutlos, angreifbar. Und als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, wirken wir ein paar Jahre älter …



Bedeutung von Erfolg?


Erfolg bedeutet im Umkehrschluss, dass man ein Ziel erreicht hat, und geht meist mit Ansehen, Ruhm einher. Folglich fühlt man sich stark, bestätigt, sicher und hierdurch motiviert, mutig. Man traut sich einfach „alles“ zu. Und es ist praktisch ein wahres Anti-Aging-Mittel: Wir strahlen und sehen (je nach Alter und Lebensstil) viel jünger, #vitaler aus.



Erfolg und Misserfolg begegnen uns in ganz verschiedenen Situationen, beruflich ebenso wie privat:

  1. Abschluss/Abbruch eines wichtigen Projekts

  2. Finanzieller Gewinn/Verlust

  3. Erfolgreiche Gründung eines Start-ups/Insolvenz

  4. Gesundheit/Genesung/Krankheit

  5. Partnerschaft, Verlobung, Heirat / Scheidung / Verwitwung


“Manchmal werden wir im Leben ‚geprüft‘, um zu sehen, ob wir ‚flugtauglich‘ sind ...”

Wenn etwas Zeit vergangen, die Krise durchlebt und gemeistert ist und man sie mit Abstand betrachtet – dann können wir erkennen, dass Misserfolge auch ihr Gutes haben, aus mehreren Gründen.


Zuerst einmal können wir aus unserer Erfahrung lernen, sodass sie uns reicher macht. Ist Dir etwa eine Präsentation misslungen, frage Dich, was könntest Du das nächste Mal besser machen, und bereite Dich künftig intensiver vor.


Voraussetzung dafür ist, dass wir den Grund für unseren Misserfolg erkennen – denn nur dann wissen wir, waswir nächstes Mal anders machen sollten. Oder ob es überhaupt in unserer Hand lag, einen erfolgreichen Ausgang zu beeinflussen. Es ist an uns selbst, genau hinzuschauen, warum etwas nicht wie erwünscht oder erhofft geklappt hat. Empfehlenswert hierfür ist die Methode „Lessons Learned“, die Dir zeigt: Was lief gut, was lief schlecht und was könnte man verbessern? Mit diesem effektiven Wissens- bzw. Projektmanagement-Werkzeug kannst Du Fehler erkennen (ob an Dir selbst, anderen Menschen, Prozessen, Organisationen usw.), Verbesserungspotentiale herausfinden, Best Practices (vgl. Sorge, 2014) definieren – und so durch Deine Erfahrung lernen.


Wenn wir aus Misserfolgen lernen, macht uns das wiederum stärker. Wenn ich an meine persönlichen weniger erfolgreichen Situationen zurückdenke, war es meist schmerzhaft, ja – niemand fällt gerne. Dennoch hat mich jeder einzelne Fall mehr denn je innerlich gestärkt. Was wichtig ist für all die Dinge, wie wir künftig angehen, denn es steigert unsere Chance auf Erfolg!


Mit etwas Abstand sehen wir auch die positiven Seiten an der missglückten Sache – und nicht selten sind wir sogar froh, dass es anders gekommen ist. Man denke nur an das Beispiel des Fluggastes, der seine Maschine verpasst hat, die dann abgestürzt ist. Zum Glück geht es nicht immer um Leben und Tod. Allerdings sollten wir gerade bei Misserfolg versuchen, das Gute, das Verborgene, das für uns noch nicht Sichtbare zu sehen.


Meine zehn Tipps zum Umgang mit Misserfolg und was wir daraus lernen können:


1. Ärger zulassen …

Dass wir nach Misserfolgen wütend sind, ist normal. Lasse Deinen Frust zu und verarbeite ihn so, wie Du es brauchst – ob Du ihm (im stillen Kämmerlein!) freien Lauf lässt oder Dich beim Sport auspowerst. Doch egal, wie du Deinen Ärger abbaust: Bleibe im Business nach außen hin ruhig und professionell.


2. … und damit abschließen

Es ist gut, über Misserfolge nachzudenken, um sie zu verarbeiten. Doch das sollte man nicht ewig tun, sonst kann man nicht weitermachen. Wenn Du also Dein Ziel nicht erreicht hast, denke die Situation durch, akzeptiere sie – und lasse sie los.


3. Zwischen Misserfolg und Person unterscheiden

Mache Dir bewusst, dass jemand, der scheitert, kein Versager ist. Ein Misserfolg sagt nichts über Deinen Wert als Mensch aus – hat nichts damit zu tun, dass Du kein Talent hast oder inkompetent bist.


4. Worst-Case-Szenario ausmalen

Frage Dich: War der Misserfolg das Schlimmste, was hätte passieren können, oder hätte es noch schlimmer kommen können? Spiele gerne auch übertriebene Szenarien durch. In den meisten Fällen wirst Du (belustigt) erkennen, dass wir oft ‚zur Probe sterben‘, obwohl die Sache nur halb so ernst ist.


5. Humor bewahren Ein unglaublich wichtiges Mittel, um ein Scheitern zu bewältigen, ist Humor. Sich nicht immer selbst so ernst zu nehmen und über Misserfolge lachen zu können, hat schon die eine oder andere Sorgenfalte vertrieben!


6. Gründe für den Misserfolg herausfinden

Wenn Du Deinen Ärger erfolgreich verarbeitet hast (Herzlichen Glückwunsch!), frage Dich: Warum bin ich gescheitert? Was hätte ich tun müssen, um es zu vermeiden? Habe ich für den Erfolg alles mir Mögliche getan – oder hätte ich mich noch mehr anstrengen bzw. etwas anderes versuchen können? War meine Planung gut überlegt, durchdacht – oder habe ich einen Punkt vergessen bzw. übersehen?


7. Schuldzuweisungen vermeiden Auf der Suche nach den Gründen für Deinen Misserfolg suche nicht (primär) bei anderen. Denn durch Schuldzuweisungen wie „Mein Projekt lief schlecht, weil mein Chef mich genervt hat.“ erkennst Du Deine Fehler nicht.Selbst wenn Dir jemand ein ‚Bein gestellt‘ hat – wo warst Du hier möglicherweise unaufmerksam? Warst du eventuell zu sehr auf eine andere Sache fokussiert?


8. AUS MISSERFOLGEN LERNEN: Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?

Nachdem Du die Gründe für Dein Scheitern erkannt hast, kannst du davon profitieren. Das ist der wichtigste Punkt: Was kann ich beim nächsten Mal besser machen?Lerne aus Deinen Fehlern und merze Schwächen aus. Wer nicht an das gewünschte Ziel gelangt ist, hat eine falsche Strategie benutzt – und probiert künftig andere aus. So wird Dein Misserfolg zum Sprungbrett für Deinen nächsten Erfolg!


9. Was ist an meinem Misserfolg positiv?

Dass wir aus Misserfolgen lernen können, zeigt, dass sie auch ihr Gutes haben. Mache Dich auf die Suche, was an Deinem Scheitern sonst noch alles positiv ist. Wichtig dabei: Stelle Dir diese Frage erst mit etwas Abstand, um nicht von Deinem anfänglichen Ärger geblendet zu sein.


10. Neu planen und Misserfolge miteinplanen Schaue nach vorn, setze Dir neue Ziele – und kalkuliere ein Scheitern direkt mit ein. Keiner kann immer nur erfolgreich sein. Aber um die Chance auf neue Erfolge zu haben, darf man sich nicht unterkriegen lassen, sondern muss aufstehen, aus dem Misserfolg lernen und es mit diesem Wissen neu probieren!


Fazit: Wenn der erwünschte Erfolg nicht eintritt und man scheitert, kann dies eine unglaublich wertvolle Erfahrung sein. Es kann unser Leben, unser Business bereichern – wenn nicht sogar genau den entscheidenden Hinweis für ein Vorhaben geben oder zum erfolgreichen Abschluss, Durchbruch verhelfen. Wenn wir uns entscheiden, etwas zu tun, obwohl wir scheitern könnten, und selbst Krisen standhalten, macht uns das erfahrungsreicher, widerstandsfähiger, klüger. Beim nächsten Misserfolg wissen wir genau, wie wir damit umgehen sollten und was zu tun ist.

Manchmal werden wir im Leben ‚geprüft‘, um zu sehen, ob wir ‚flugtauglich‘ sind und es mit unseren Zielen wirklich ernst meinen. Letztendlich sollten wir uns nicht fragen: „Was ist, wenn ich falle?“ – sondern: „Was ist, wenn ich fliege?“

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