Unendliche Möglichkeiten - trotzdem nicht zufrieden?

Aktualisiert: 3. Nov 2019

Nie zuvor standen uns so viele Optionen offen, um unseren Hunger nach Wissen und unsere Neugier zu stillen. Warum sind wir trotzdem unzufrieden?


Herzlich Willkommen im digitalen Dschungel der neuen Zeit! Ein Dschungel der Möglichkeiten, mitten in der digitalen Revolution. Wo uns allen – vorausgesetzt, wir verfügen über Internetzugang – die Welt mit einem Klick zu Füßen liegt.


Manchmal frage ich mich, wie es war, bevor wir rund um die Uhr erreichbar waren, ortsunabhängig gearbeitet haben oder jederzeit online shoppen konnten. Das Internet gibt es jetzt im deutschsprachigen Raum seit knapp 28 Jahren. Ob aus Langeweile oder zur Recherche: Wir können uns binnen kürzester Zeit alles, wirklich alles aus dem Netz holen (na gut, fast alles). Sogar Freundschaften: Social Media macht es vor, dass fremde Menschen zu vertrauten Freunden werden. Privat, beruflich.


Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung oder unglücklich im Job? Man benötigt im Grunde nur eine Idee, einen Laptop oder ein Smartphone und schon kann man sich erkundigen, welche Möglichkeiten der Markt noch bietet. Was man tun könnte, um seine Interessen zu stillen, etwa ein eigenes Jobprojekt starten, eine eigene Marke kreieren. Und all das ohne Zusatzkosten (na gut, fast ohne) oder sonstigen, eventuell erheblichen finanziellen Aufwand. Bekannte Blogger, YouTuber oder Instagrammer machen es vor. Es ist möglich, genau das Unmögliche möglich zu machen.


Bei meiner Online-Recherche ist mir in letzter Zeit allerdings aufgefallen, dass immer mehr Menschen unter den schier endlosen Möglichkeiten leiden – und ihrem Unmut dann online freien Lauf lassen. Zu den Unzufriedenen gehört teils auch die junge „Generation Y“, die zwischen den frühen 1980er- bis 2000er-Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Eine Generation, die komplett anders tickt und andere Werte lebt als jemand, der in den 70ern aufgewachsen ist und via Becher-Schnur-Telefon mit seinen Kindheitsfreunden kommuniziert hat. Eine Generation, die mit dem Internet sowie seinen Möglichkeiten aufgewachsen ist und diese als selbstverständlich betrachtet.


Man sieht etwas, ist Feuer und Flamme und will es sofort umsetzen.

Nach genauem Hinschauen, was die Personen denn so erzürnt, entdecke ich immer das gleiche Muster: Man sieht etwas, ist Feuer und Flamme. Will es umsetzen, setzt es um – die neuen digitalen Möglichkeiten machen es ja möglich. Doch dann kommen die ersten Schwierigkeiten und man ärgert sich, zumal es bei den anderen so rasch und problemlos zu gehen scheint. Fragt (zumindest unbewusst) nach Hilfe, bekommt sie nicht (sofort!) und ist erst recht richtig sauer.


Anschließend wird vom „digitalen Entgiften“ oder auch „Digital Detox“ gesprochen. Einen Gang zurückschalten, mehr mit echten Menschen reden, die Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen – und vor allem analoger leben. Bloß weg von Smartphone, Computer, Facebook & Co. Am besten gleich komplette Internetabstinenz.


Doch ich frage mich: Warum? Warum verschaffen wir uns lauthals Luft und tun das eigene Scheitern kund, anstatt Hilfe zu holen – oder einfach mal die Erfahrung des Scheiterns zuzulassen? Und vor allem: weiterzumachen! Wie oft sind geniale Erfinder gescheitert und haben weitergemacht, etwa der US-Amerikaner Thomas Alva im Bereich Elektrizität und Elektrotechnik. Dabei hatten diese Erfinder nicht einmal annähernd die heutigen digitalen Möglichkeiten zur Verfügung. Lediglich ihren Willen, Glauben und Kopf (sowie, zugegeben, oft einen netten IQ), die ihnen zu Höchstleistungen verholfen haben.



Wir können jederzeit (gesunden) Abstand von der digitalen Welt nehmen, also wieder bewusst Pausen machen. In uns hineinfühlen und ‑hören. Achtsam mit uns selbst sein. Und: Wir haben wunderbare Optionen, um uns selbst zu motivieren, unsere Ziele zu erreichen. Nämlich, indem wir brainstormen und planen, vielleicht sogar mithilfe von digitalen Tools. Sich fragen: Was ist mein Ziel, was will ich wirklich? Und dann fragen: Wie komme ich dorthin und was benötige ich für die Zielerreichung? Was kann ich in welcher Zeit selbst machen? Wo benötige ich (rechtzeitig) Hilfe von anderen – wann ist es vielleicht sogar klüger, sich Expertenrat zu holen?



Die unendlichen, wunderbaren Möglichkeiten der neuen Zeit … Kommt die Menschheit hier nach oder eher zu kurz? Ist die Technik schneller als der Mensch – oder liegt es an unserer eigenen Trägheit, Gemütlichkeit, Gewohnheit bzw. einfach unserem gesättigten Dasein, dass wir Menschen langsamer sind? Warum ist der Eine vollauf begeistert von der digitalen Welt, kann nicht genug bekommen, und der Andere hat die Nase voll, knickt entnervt ein oder schreit sogar händeringend STOP?


Fazit: Im heutigen digitalen Dschungel fühlen wir uns oft unzufrieden, da wir Ziele angehen, welche uns die schier endlosen Möglichkeiten möglich machen – uns dann aber zu früh frustrieren lassen und aufgeben. Wenn wir jedoch bedacht vorgehen, können wir Dinge, für die wir Feuer und Flamme sind, umsetzen, ohne bei den ersten Schwierigkeiten einzuknicken. Können von den zig Optionen heutzutage profitieren. So unsere Lebenszeit positiver nutzen, dieses Luxusgut in unserer schnelllebigen Epoche. Und so letztendlich glücklich(-er) werden.


Gehen wir also mit den digitalen Möglichkeiten überlegt um, damit wir zufriedener sind und uns das ermöglichen, was wir im Netz eben doch nicht holen können: Zeit für uns und die Menschen, die unser Leben lebenswert machen.


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